Kino International.

Ich musste an Diedrich Diederichsen denken, wie er einmal bei Straub/Huillet bemerkte – ich glaube zu »Der Tod des Empedokles« –, die schönste Art, Landschaft zu zeigen; da sieht man hier die schönste Art, Bewegung im Film darzustellen. 

Das Bild ruht, ein paar Sekunden, dann folgt der Schnitt zum nächsten. Von stehender Einstellung zu stehender Einstellung. Die Schräge dominiert, das Auge braucht einen Moment, um sich zu orientieren, irrt herum. Die Stimme schweigt, kein Kommentator, das Umgebende schwingt und singt, ein Hubschrauber, Insektenpfeifen, Strassengegenverkehr, Passanten auf leisen Sohlen. Zu ahnen. 

Und: alles Statisten, hier vor allem mit der Funktion, Dimensionen fassbar zu machen.

Die Bildausschnitte fangen Diagonalen ein, verqueres Blinzeln, queerer Blick? Wir wollen jetzt mal bitte schön nicht überinterpretieren! Aber Ausschnitte, die Vertrauen und Gelassenheit wecken, die gebaute Welt, man freut sich, wenn der Blick gelenkt wird, sieht doch alles ganz gut aus. Schönheit entsteht eben nicht im Betrachter, aber er kann sie umsetzen, wenn er kann, kann weitermachen, von hier aus. Zurück zum Beton, von mir aus. Natürlich auch: die Bewegung in der Zeit, Geschichte, Altern, das vergessene Bereitsgewusste.

Wie der Film auf der Leinwand, wie »Parabeton« sich im Vorführraum fortsetzt. Mir schwinden die Sinne.

Schnitt. Fabrikanlage, Wunder der Arithmetik, Arbeiter in Arbeiterklasse, unendliche Rollen Papier – Papier, natürlich Papier – Gabelstapeln, Farben verblast und schönstes Grau, Ausschnitte, nur Sekunden, dann der Schnitt, der Ton läuft weiter, die Überwindung der Natur, ein Triumph des Blickens über das zu Sehende.

Und: keine Musik stört, ausser sie war im gefilmten Raum, oder in einer imaginären Potenz des gefilmten Raums.

Standbilder kündigen mit Zahl und Lage das zu Sehende an, erden das Auge, festen das Denken. Kapitelation. Für den Moment. Gewissermaßen.

Das Video zu ROTE WÜSTE ist von Heinz Emigholz.