FrankfurtamMay

Saisonauftakt in der Stadt der großen Geste. Wo die Börse locker sitzt und das Herz am rechten Fleck, wo der Äppelwoi sich in goldenen Strömen ergießt, das Kölschglas Bembel heisst, die Sauce grün leuchtet. Seit Jahrhunderten die Stadt der schönen Namen. Man kann einfach mit beiden Händen ins Bunte hineingreifen: Grimm, Väth, Flügel & Wuttke, Städelakademie und Herrhausen, Heaven Sent, FAZ und Merve (Neuberliner), KD Wolff, Schröder, Jörg und Alte wie Neue Frankfurter Schule. Bum-Kun Cha und Christoph Daum. Oder der Sinkkasten:

Heute Abend ist der älteste Jazzclub der Stadt unser Gastgeber. Ein schwarzer, vornehm schicker Laden, ein Ort, an dem man einst die Künstler beim Vornamen rief. Sie hatten sie alle: Herbie, Miles, Jimi. Ihr wisst Bescheid. Oder Django – selbstverständlich hatten Reinhardt und Edwards hier gespielt.

Die Stagecrew ist sehr sehr nett, das Publikum ist sehr sehr nett, Detlef stürzt seine Monitorbox beim zweiten Stück vom Ständer. Der schwarze Klotz bleibt am Boden liegen und tut die verbleibenden 80 Minuten beleidigt Dienst nach Plan.

Im Hotel Cult, einer gen Mistral ausgerichteten Ferienanlage, beziehen Detlef und ich das Pirolzimmer mit Blick auf die Finca im maurischen Baustil. Gurrende Tauben wecken uns, und an Stelle des erwarteten Frankfurter Aufschnittfrühstücks genießen wir im Restaurationsbereich mehr spanische Folklore: hochgezogene Lederbänke, Holzvertäfelung und eingelegtes Gemüse; mit Thermoskannenkaffee, frischgepresstem Multivitaminsaft, Dezemberorangen, Rührei aus der Tube und serigraphierten Sportwagen – und glossy Mädels-Schaubilder schrabbt das Designerstück dann doch angenehm an der Geschmackssicherheit vorbei.

Hype Williams schallt aus dem Autoradio. Wir brechen auf. Ins Zonenrandgebiet.